Eisaufbereitung

Entwicklung der Eisbahnen

Geschichte der Eisaufbereitung

Her­stel­lung der Eis­flä­che

Wäh­rend so­wohl Spritz­eis als auch das Eis zu­ge­fro­re­ner Ge­wäs­ser wei­test­ge­hend von Wit­te­rungs­ein­flüs­sen ab­hän­gig ist (Tem­pe­ra­tur des Eises, über­fro­re­ner Reif, Schnee usw.), kann Kunst­eis in viel­fa­cher Hin­sicht den Er­for­der­nis­sen an­ge­passt wer­den. Bei der Her­stel­lung der Eis­flä­che wird zu­nächst auf den vor­ge­kühl­ten Un­ter­grund (-8 bis -10ºC) mit Schläu­chen (in spä­te­rer Zeit (spä­ter Eis­auf­be­rei­tungs­ma­schi­nen) eine dünne Was­ser­schicht auf­ge­tra­gen. Das Was­ser kris­tal­li­siert so­fort. Die­ser Vor­gang wird mehr­mals wie­der­holt und so ent­steht all­mäh­lich eine Eis­schicht. Nach ei­ni­ger Zeit wer­den die Spiel­feld­mar­kie­run­gen ein­ge­zeich­net und an­schlie­ßend wei­te­re Eis­schich­ten auf­ge­tra­gen. Die idea­le Dicke einer Eis­bahn be­trägt etwa 6 bis 8 cm. An­schlie­ßend wird das Eis ge­ho­belt und ge­glät­tet.

Die frühe Eis­auf­be­rei­tung

Um einen gleich­mä­ßi­gen Sport­be­trieb zu ge­währ­leis­ten ist es not­wen­dig, das Eis nach Be­schä­di­gun­gen und ge­brauchs­be­ding­ten Ab­nut­zun­gen immer wie­der auf­zu­be­rei­ten und zu glät­ten. Ins­be­son­de­re im Eis­kunst­lauf und im Eis­ho­ckey war die Eis­be­ar­bei­tung eine große Her­aus­for­de­rung. Die Eis­auf­be­rei­tung „von Hand“ war einen schwie­ri­ge und müh­se­li­ge An­ge­le­gen­heit, zu der je nach Größe der zu be­ar­bei­ten­den Eis­flä­che dut­zen­de von Hel­fern not­wen­dig waren. Vorn­weg ein Mann mit Hobel, dann meh­re­re mit Schau­feln, da­hin­ter der „Putz­lap­pen-Mann“. Die­ser be­ar­bei­te­te das Eis mit Putz­lap­pen, die vor­her in war­mes Was­ser ge­taucht wor­den waren. Spä­ter wurde ein Hand­wa­gen oder ein Schlit­ten mit einem dar­auf­ge­stell­ten Bier­fass ver­wen­det. Aus dem Fass lief Was­ser zu den hin­ten an­ge­brach­ten Lei­nen­lap­pen, die das Eis glät­te­ten. Bei klei­ne­ren Ver­ei­nen war „Hand­ar­beit“ noch bis in die frü­hen 1970er Jahre die Regel.

Eis­auf­be­rei­tung anno da­zu­mal 1

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Die erste Eis­auf­be­rei­tungs­ma­schi­ne

Im Jahre 1949 baute Frank J. Zam­bo­ni eine Ma­schi­ne, die diese Ar­bei­ten al­lein und in einem Schritt er­le­di­gen konn­te. Die Zam­bo­ni war eine Ma­schi­ne, die vorne das Eis ab­ho­bel­te, den Schnee über ro­tie­ren­de Bürs­ten nach oben schleu­der­te, wo es in einem Tank er­wärmt und dann als Was­ser auf den Ver­tei­ler­lap­pen, der wie ein ab­ge­schnit­te­ner Tep­pich aus­sieht, ge­lei­tet wird. Durch Zam­bo­nis Er­fin­dung wurde die Eisau­be­rei­tung re­vo­lu­tio­niert. Auch die heu­ti­gen Eisau­be­rei­tungs­ma­schi­nen ar­bei­ten grund­sätz­lich noch nach dem glei­chen Prin­zip:

Ho­beln – Wa­schen – Glät­ten

Zam­bo­ni, Mo­dell A, 1949 (Foto: Zam­bo­ni)
Zam­bo­ni 526, 2018

Die Eis­be­ar­bei­tungs­ma­schi­ne wurde 1949 von dem Ame­ri­ka­ner Frank J. Zam­bo­ni er­fun­den und 1953 zum Pa­tent an­ge­mel­det. „Zam­bo­ni“ ist in meh­re­ren Spra­chen zu einem Gat­tungs­na­men ge­wor­den. Der Be­griff wird oft­mals der Be­zeich­nung „Eis­be­ar­bei­tungs­ma­schi­ne“ vor­ge­zo­gen. Heute gibt es welt­weit ca. 1 Dut­zend Fir­men, die sich auf die Her­stel­lung von Eis­be­ar­bei­tungs­ma­schi­nen spe­zia­li­siert haben.

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Die ver­schie­de­nen Eis­ar­ten

Beim Eis­ho­ckey wird „har­tes“ Eis, beim Eis­kunst­lauf da­ge­gen eher“wei­ches“ Eis be­vor­zugt. Für die ver­schie­de­nen Eis­sport­ar­ten wird des­halb nach Mög­lich­keit un­ter­schied­li­ches Eis prä­pa­riert.

Maß­ge­ben­de Pa­ra­me­ter für die Eis­qua­li­tät sind

  • die Luft­tem­pe­ra­tur,
  • die Eis­tem­pe­ra­tur,
  • der Säu­re­ge­halt (PH-Wert) des Was­sers und die
  • Was­ser­tem­pe­ra­tur bei der Eis­be­rei­tung.

PH-Wert und Was­ser­tem­pe­ra­tur bei der Eis­be­rei­tung be­ein­flus­sen die Luft­ein­schlüs­se im Was­ser. Diese wie­der­um sind neben der Tem­pe­ra­tur für die Eis­här­te ent­schei­dend.

Bei den Eis­lauf­sport­ar­ten und im Eis­ho­ckey wer­den grund­sätz­lich ebene, von Schnee und Eis­par­ti­keln ge­rei­nig­te Eis­flä­chen ver­langt, im Cur­ling da­ge­gen setzt man auf das „Peb­b­led Ice“. Bei die­ser Eis­art wer­den mit einer Art Gieß­kan­ne Was­ser­trop­fen auf die Eis­flä­che ge­sprüht, die so­gleich an­frie­ren und eine wasch­be­ton­ar­ti­ge Ober­flä­chen­struk­tur ent­ste­hen las­sen. Die­ser „Peb­b­le“ 2 be­güns­tigt das so­ge­nann­te „cur­len“, den bo­gen­för­mi­gen Lauf der Cur­lings­tei­ne. Für das Eis­schies­sen gab es zu­nächst kein spe­zi­el­les Eis – die Eis­schüt­zen muss­ten sich viel­mehr mit den vor­ge­ge­be­nen Ver­hält­nis­sen zu­frie­den geben.

Schon bald nach Ein­füh­rung von Gum­mi­laufs­oh­len An­fang der 1970er Jahre zeig­ten sich beim Eis­schie­ßen er­heb­li­che Schwie­rig­kei­ten. Das mit­tels der Eis­auf­be­rei­tungs­ma­schi­ne ab­ge­zo­ge­ne Eis er­wies sich letzt­lich als zu glatt. Gum­mi­laufs­oh­len waren auf glat­tem Eis nur schwer zu spie­len, da zwi­schen Lauf­flä­che und Boden eine Art Va­ku­um ent­stand. Zudem wur­den die Gleit­ei­gen­schaf­ten durch tri­bo­elek­tri­sche Vor­gän­ge (Be­rüh­rungs- und Rei­bungs­elek­tri­zi­tät) zwi­schen Laufs­oh­le und Eis­flä­che stark be­ein­flusst. Die Eisstö­cke lie­ßen sich in ihrem Lauf nicht mehr kon­trol­lie­ren und kle­ben in der Ru­he­stel­lung wie ein Saug­napf auf dem „Spie­geleis“ fest.

Spie­geleis | Eis­lauf und Eis­ho­ckey Peb­b­led-Eis | Cur­ling

In Burg­kir­chen3 stell­te man mehr oder we­ni­ger zu­fäl­lig fest, dass auf von Schlitt­schuh­läu­fern und Eis­ho­ckey­spie­lern zer­kratz­tem Eis ein weit­aus kon­trol­lier­ba­re­res Eis­schie­ßen mög­lich war. Hier wur­den auch erste Ver­su­che im Eis­schie­ßen auf „Peb­b­led-Eis“ un­ter­nom­men. Wegen der äu­ßerst un­ter­schied­li­chen Gleit­ei­gen­schaf­ten der Eisstö­cke auf den ver­schie­de­nen Eis­ar­ten muss­ten ein­heit­li­che Re­ge­lun­gen ge­schaf­fen wer­den.

Im Jahre 1980 wur­den des­halb erst­mals die von der Tech­ni­schen Prüf­stel­le Gen­dorf (Dipl. Ing. Die­ter G. Söp­per) er­ar­bei­te­ten Richt­li­ni­en für die Her­stel­lung von Eis beim Eis­stock­sport ver­öf­fent­licht. In die­sen Richt­li­ni­en emp­foh­len wer­den das Peb­b­led-Eis, und das Schlitt­schuh-Eis.

Wie sich aber bald her­aus­stell­te war „Peb­b­led-Eis“ nur sehr auf­wän­dig her­zu­stel­len 4 und zudem sehr en­er­gie­in­ten­siv. Der „Peb­b­le“ hielt sich nur bei Eis­tem­pe­ra­tu­ren unter -10ºC. Aber selbst bei tie­fen Tem­pe­ra­tu­ren wurde der Peb­b­le im Ver­lauf eines Wett­be­wer­bes ab­ge­tra­gen. Durch die star­ken Rei­bungs­kräf­te der Gum­mi­laufs­oh­len wird Be­we­gungs­en­er­gie in Wärme um­ge­wan­delt und über die Be­rüh­rungs­flä­chen von der Laufs­oh­le an das Eis ab­ge­ge­ben. Als Folge die­ser En­er­gie­ab­ga­be schmilzt die obers­te Eis­schicht leicht an um so­gleich wie­der fest­zu­frie­ren. Die vor­han­de­ne feine „Berg-und-Tal-Struk­tur“ wird quasi „glatt ge­bü­gelt“; und die Eis­bahn wurde nach und nach un­be­spiel­bar. Im Jahre 1984 wurde das „Peb­b­led Eis“ end­gül­tig wie­der aus den Richt­li­ni­en ge­stri­chen.

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Vom Schlitt­schu­heis zum Rie­fen­eis

Als be­son­ders taug­lich zum Eis­schies­sen stell­te sich von Schlitt­schuh­läu­fern zer­kratz­tes und ver­narb­tes Eis her­aus. Da aber nicht immer von den Schlitt­schuh­läu­fern eine ent­spre­chen­de „Vor­ar­beit“ ge­leis­tet wer­den konn­te, muss­te das Eis künst­lich auf­ge­raut wer­den. In Burg­kir­chen ver­such­te man des­halb schon früh, die von den Schlitt­schuh­läu­fern ver­ur­sach­ten „Schä­den“ am Eises mit­tels einer Spe­zi­al­vor­rich­tung, an der ca. 600 Spikes an­ge­bracht waren und unter Zu­hil­fe­nah­me der Eis­be­ar­bei­tungs­ma­schi­ne zu si­mu­lie­ren.

Schlitt­schu­heis Rie­fen­eis | Eis­stock­sport

Das Er­geb­nis war je­doch nicht be­frie­di­gend, da hier­bei nur klei­ne Ein­rit­zun­gen ent­stan­den, die durch die ab­ge­ge­be­ne Rei­bungs­wär­me (siehe Peb­b­led-Eis) schnell wie­der ge­glät­tet wur­den. Vor Allem in der stark ge­nutz­ten Mitte der Spiel­bahn ent­stand so in­ner­halb we­ni­ger Spie­le eine äu­ßerst glat­te, spie­geln­de Spur. Das Lauf­ver­hal­ten der Stö­cke in­ner­halb die­ser Spur, die auch „Spie­gel“ ge­nannt wird, war nicht mehr kon­trol­lier­bar, mit Fort­dau­er des Wett­be­wer­bes wurde die Spie­gel­flä­che immer brei­ter und mach­te die Eis­bahn zu­neh­mend un­be­spiel­bar.

Die Gen­dor­fer Eis­schüt­zen ent­wi­ckel­ten dar­auf­hin unter tat­kräf­ti­ger Mit­hil­fe von Georg Kai­ser vom SV Hir­ten die „Gen­dor­fer Rie­fe­negge“ wei­ter und brach­ten sie schon An­fang der 1970er Jahre in etwa in die heu­ti­ge Form.

Rie­fe­negge Typ „Gen­dorf“ – Her­stel­ler Firma Ober­mai­er, Hals­bach

Die Rie­fe­negge ist heute ein in der Eis­auf­be­rei­tung nicht mehr weg­zu­den­ken­des Zu­satz­ge­rät, das an allen auf dem Markt be­find­li­chen Eis­be­ar­bei­tungs­ma­schi­nen an­ge­bracht wer­den kann. Vom Fah­rer­sitz aus kann die Rie­fe­negge stu­fen­los auf eine Rief­en­tie­fe von 1,0 bis 2,5 mm ein­ge­stellt wer­den. Die Rie­fen haben einen Ab­stand von 5 bis 10 mm und wer­den quer zur Spiel­rich­tung in das Eis ge­schnit­ten. Rie­fen­eis in die­ser Form wird seit 1978 her­ge­stellt und ist laut den Richt­li­ni­en für die Eis­qua­li­tät beim Eis­stock­spiel seit 1984 für alle Meis­ter­schaf­ten im Eis­stock­sport ver­bind­lich vor­ge­schrie­ben.

  1. Aus „Der Eisschieß-Sport“, von Wilhelm Neubronner, 1935 ↩
  2. Pebble kommt aus dem englischen und bedeutet: Kieselstein, Kiesel. ↩
  3. In Burgkirchen wurde zur Wintersaison 1970/71 eine Kunsteisbahn als Freianlage eröffnet. Im Jahre 1978 wurde diese Bahn überdacht und in „Keltenhalle“ umbenannt. Nach der Wintersaison 2009/10 wurde die Halle, zwischenzeitlich von der Gemeinde Burgkirchen betrieben, aus finanziellen Gründen geschlossen. ↩
  4. IFE-Prüfstellenleiter Dieter Söpper spritze die Wassertropen eigenhändig mittels eine Rückenspritze auf die Eisbahn. ↩