Bootschen

Bootschen

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Herkunft

Bootschen ist ein jenisches Spiel und ähnelt dem Boule und dem Plattenwerfen. Es wird vor allem in der Schweiz gespielt. Dort werden beim jährlichen Treffen der Jenischen 1, die Feckerchilbi 2 sogar Schweizer Meisterschaften ausgetragen. Das Wort „Bootschen“, auch bootschnen, kommt vom alemannischen „botschne“ und bedeutet soviel wie „Boccia spielen“.

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Vorgaben

Als Wurfgegenstände dienen Steine, die jeder Spieler nach Belieben aussuchen kann. Jede Mannschaft bzw. jeder Einzelspieler hat 6 Spielsteine (Bootsch), die zum „Plamp“ geworfen werden. Das Spielfeld misst 10 – 15 m und ist mindestens 2 m breit.

Spielablauf

Zu Beginn des Spieles wird das Ziel (Plamp – Holzkegel, Bierdose u.ä.) aufgestellt. Die erste Mannschaft wirft einen Bootsch zum Ziel. Anschließend spielt die zweite Mannschaft. Jede Mannschaft spielt so lange, bis einer ihrer Bootsche näher zum Plamp liegt oder bis alle ihre Bootsche gesetzt sind. Innerhalb der Mannschaft kann die Reihenfolge der Spieler frei gewählt werden. Solange ein Bootsch (ganz oder teilweise) von einem anderen überdeckt wird, wird er nicht gewertet. Dies gilt sowohl für die Ermittlung des Bestlage als auch für die Punktevergabe. Wird ein verdeckter Bootsch durch Spieleinwirkungen wieder freigelegt, so zählt er normal. Am Ende eines Durchganges (nach dem 12. Wurf) werden Punkte vergeben. Der zum Plamp am nächsten liegende Bootsch erhält 2 Punkte, gehört der zweit nächste Bootsch zur selben Mannschaft, so erhält diese einen weiteren Punkt. Ganz oder teilweise überdeckte Bootsche werden nicht gewertet. Für den ersten Bootsch, der den Plamp trifft und zum Umfallen bringt, werden vier Punkte vergeben. Je Spielrunde können so 7 Punkte erreicht werden.

Die folgenden Spielrunden beginnt immer die Mannschaft, die in der vorangegangenen Runde unterlegen war. Sieger ist, wer zuerst 13 Punkte erreicht hat.

Spielvarianten

Beim Bootschen gibt es verschiedene Spielvarianten. Wird „auf Platz“ gespielt, so zählen alle vor dem besten Stein des Gegners liegenden Steine 1 Punkte. Treffer auf den Plamp werden nicht gewertet. Bei der Spielvariante „auf Platz und Ziel“ zählen auch Treffer (auch mehrere pro Durchgang) einen Punkt und beim „ausspielen“ wird jeder Treffer und jeder besserliegende Bootsch mit einem Punkt gewertet, solange bis die führende Mannschaft 8 Punkte erreicht hat. Ab dem 9. Punkt werden nur noch Platzpunkte gewertet. Die zurückliegende Mannschaft wird normal gewertet.

  1. Jenische – das fahrende Volk: „Jenische“ ist eine Bezeichnung für Angehörige eines nach landschaftlicher und sozialer Abkunft in sich heterogenen Teils der Bevölkerung in Mittel- und Westeuropa. Historisch lassen Jenische auf Angehörige der marginalisierten Schichten der Armutsgesellschaften der frühen Neuzeit und des 19. Jahrhunderts zurückführen. Neben ambulantem Handel und Handwerk (Hausierer, Scherenschleifer u.a.) haben Jenische als Gaukler, Artisten, Komödianten oder Musiker (auch Drehorgelspieler) stets auch unterhaltende Dienstleistungen auf den Märkten, Messen und Festen angeboten, um ihre Existenz sichern zu können. In der Schweiz haben die Jenischen einen Minderheitenstatus als Fahrende und das Jenische ist als Minderheitensprache anerkannt.
  2. Die Feckerchilbi ist ein bis ins 16. Jahrhundert zurückgehendes, traditionell alljährlich stattfindendes kirchweihähnliches Treffen der Jenischen und des Fahrenden Volkes.